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Auf Besuch bei Hägar und Wickie
als uns CheffeX Wolfgang fragte ob wir Nordlichter nicht mal einen Ausflug nach Dänemark machen wollten war die Begeisterung natürlich erst mal riesig. Ja ne, is klar Wolle ,Gähnemark ist ja auch bekannt für seine vielen atemberaubenden Crosstracks und Freeridingareas ,das Hot-Dogland kommt gleich hinter SoCal was die MX Möglichkeiten angeht. Hallooo ,was soll denn da gehen ?? Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ,in Bezug auf LEGO Steine zusammenbauen und Sandburgen basteln mag das ja auch stimmen aber als attraktive MX Location nur schwer vorstellbar. Jeder von uns der nördlich des Rheins aufgewachsen ist, war mit Sicherheit mal als Kind in Dänemark um dort mit seinen Eltern den wohl langweiligsten Urlaub überhaupt zu verbringen. Erinnerungen von haufenweise Wohnwagen und von Löchern in den Münzen werden auf einmal wieder wach aber wie stark wir unser Erinnerungsvermögen auch strapazierten ,eine top Crossstrecke irgendwo am Straßenrand wollte einfach nicht vor unserem inneren Auge erscheinen.
Sei es drum ,es hätte schlimmer kommen können ,letztendlich konnten wir froh sein das Wolfgang uns nicht nach Helgoland geschickt hat.
Erst einmal mussten wir herausfinden ,ob und wenn ja, wo diese Strecken sind. Nach langen Suchen im Internet hatten wir eine Liste von 50!! offiziellen Motocross Strecken zusammen bekommen. 50 Strecken bei gerade mal 5,3 Mio. Einwohnern ,hochgerechnet auf unsere Einwohnerzahl hätten die demzufolge doppelt so viele Strecken wie wir (reine Theorie).
Langsam wurde das Thema doch noch interessant ,womöglich hätten wir uns die letzten 20 Jahre wirklich nur 200km über die Grenze schleichen müssen um unseren Hausstrecken entfliehen zu können. Nachdem wir mit diversen Vereinen in Dänemark telefoniert hatten und die uns alle freundlich und aufgeschlossen bestätigt haben das wir jederzeit zum Training herzlich willkommen sind, machten wir uns in der wärmsten August Woche auf den Weg nach Gähnemark.
Spontan schlossen sich uns noch ein paar nicht crossende Freunde an unter anderem auch Terry, unser zur Zeit in Deutschland lebenden Quoten Australier der noch nie etwas von diesem Land Dänemark gehört hatte.
Trotz der Neugierde auf den MX Norden wären wir gerne am Maschener Kreuz Richtung Süden abgebogen ,Richtung Süddeutschland ,Richtung Italien ,Richtung Sichersein das dort reelle Tracks vorzufinden sind.
In Dänemark angekommen machte Terry unvoreingenommen und frei von einem Kindheitstrauma ,eine prägende Aussage: “ Dänmark is a nice country ,very clean and the guys are very friendly”.
Im ersten Moment dachten wir noch an australischen Humor ,aber irgendwie hatte er Recht, das Land ist gar nicht mehr so flach und öde wie vor 25 Jahren ,es ist auffallend sauber und gepflegt ,die Landschaft gerade an den Küsten ist sehr interessant und abwechslungsreich. Lediglich die Löcher in den Münzen scheinen noch so wie früher zu sein.
So langsam kam regelrecht Urlaubsstimmung auf.
Da wir nicht alle Crosser waren und unsere Mädels auch keine Lust hatten jeden Tag bei 35 Grad im Staub zu sitzen, versuchten wir die Strecken anzufahren die nicht zu weit von der Küste entfernt sind um uns abwechselnd auch einfach nur ein wenig Beach-Urlaub zu ermöglichen. Dazu kommt noch das es keine Strecken in Dänemark gibt die am Sonntag oder Montag zu befahren sind und wir Alternativen brauchten.
Unsere erste Strecke war die von Esbjerg(www.vmcc.dk) , zwischen Esbjerg und Varde gelegen bietet diese Motorsport Anlage 2 Speedway Kurse,1 Autospeedwaykurs , 1 Strecke für 50er und einen ca.2000m langen MainTrack. Erstaunlicher Weise war trotz 6 Wochen absoluter Trockenheit die Strecke noch recht gut befahrbar, staubig aber dennoch recht griffig.
Obwohl die Strecke sehr sandig ist, waren die Sprünge recht fest ohne großartige Rillen oder Löcher, ein schöner StepUp und diverse Table in Abwechslung mit zahlreichen tiefen Sandkurven ließen uns auch gleich wieder feststellen das Sandstrecken gänzlich anders zu fahren sind als die sonst von uns bevorzugten festeren Böden.
In Dänemark fahren Minnis(bis85ccm) und die großen nicht gleichzeitig auf der Bahn. Die ersten 25 Minuten einer jeden Stunde fahren die 85er und die weiteren 35 Minuten sind dann die Großen an der Reihe. Diese Regelung haben wir auf jeder Strecke angetroffen und abgesehen vom Sicherheitsaspekt ist es doch gerade für uns älteren Säcke mit viel PS unterm Arsch ganz angenehm nicht ständig von 8 jährigen mit schlappen 20 PS nach Strich und Faden verblasen zu werden. ;-)
Die beiden nächsten Tage verbrachten wir aus den oben genannten Gründen auf einen Campingplatz bei Hvide Sande, auf der eine Seite die Nordsee mit ihren sehr sauberen und leeren Strand , auf der anderen Seite der Ringköbing Fjord der auf Grund der niedrigen Wassertiefe und des Windes ideal zum Surfen ist. Der Parkplatz war voll mit LTs ,T4s und Ducatos alle wenigstens einen „FANTIC“ oder „MISTRAL“ Aufkleber ,festgeschraubte Surfbretter an der Seite, braungebrannte Haizahnmuschelkettenträger mit bunten Neoprenanzügen und noch bunteren Surfbrettern.
Die Jungs zelebrierten ihren Lifestyle ja noch auffälliger als wir Crosser und ist auch klar das wir den Jungs mal zeigen wollten was wir MXer doch für fettgeile Typen sind.
Also ab zum Verleiher ,kann ja wohl nicht so schwer sein sich auf ein Styroporbrett zu stellen und so eine bunte Folie in den Wind zu halten, schließlich springen wir mit unseren Bikes über 20 Meter ohne abzusteigen.
Beim Verleiher angekommen gingen die blöden Fragen aber auch schon los: „Schon mal gesurft?“ Antwort: „He logo“ (stimmte natürlich nicht ,bestenfalls im Internet)
„Wollt ihr Anfängerbretter oder Funboards?“
„Tschuldige mal ,was denkst denn du , Funboards natürlich“
„Freeride oder Wave?“
Freeride ,mit dem Begriff konnten wir endlich mal was anfangen ,also entschieden wir uns auch für das Freerideboard.
„Gut ,welche Größe ? 111er, 131er...?
Damit wir nicht auffliegen mussten wir uns schnell für eine dieser Zahlen entscheiden ,ohne zu wissen was sie bedeuten.
Wir schauten prüfend auf den Fjord und entschieden uns dann mit selbstsicherer Stimme für die 111er.
Das gleiche Spiel bei der Frage welche Finne und welche Segelgröße wir denn bevorzugen würden.
Am mitleidigen Grinsen des Verleihers erkannten wir sofort das wir mit unseren geforderten 9qm Segel völlig daneben lagen und uns mittlerweile keine Sau mehr glaubte das wir wissen wovon wir da die ganze Zeit reden.
Vielleicht meint es der liebe Gott ja auch mal gut mit uns und der Typ mit dem breiten Grinsen steht irgendwann mal in Californien vor uns und will sich eine Crosse ausleihen : „Schon mal gecrosst?, welche Reifen? ,welche Hauptdüse?, Federvorspannung? Druck und Zugstufe?...“ Wir können es auch kompliziert.
Das wir in dieser einen Stunde nicht einen Meter mit den Dingern vorwärts gekommen sind brauchen wir wohl nicht extra zu betonen , lag aber unserer Meinung nach eher an der schlechten Fachberatung als an unserem körperlichen Unvermögen. ;-)
Auf alle Fälle verbrachten wir den nächsten Tag mit Schlauchboot fahren auf der Nordsee, Sandburgen von 5 jährigen zertreten und auf anraten der Väter mit dem anschließendem Wiederaufbau der Burgruinen.
Am Dienstag sind wir dann endlich wieder richtigem Sport nachgegangen. In Aulum befindet sich eine von 3!! Trainingsstrecken des HeMS Herning(www.hems-cross.dk)Motocrossvereins. Wie eigentlich jede Strecke in Dänemark ist auch diese recht sandlastig , hier gibt es auch wieder eine extra Bahn für die kleinen und auch die Regelung mit der Zeiteinteilung für die große Strecke. Eine schöne Erfahrung hier war die Selbstregistrierung! Du gehst in einen kleinen Holzverschlag ,ähnlich einer Wahlkabine, nimmst dir eine kleine Plastiktütte ,steckst dort deine ausgefüllte Anmeldung und 20 Kronen(3,50Euro!!!)rein ,schließt diese Tüte um sie anschließend in der am Boden verankerten Metallkiste zu versenken. Beim rausgehen reißt du dir noch eine Quittung vom Block und schon hast du die erste Selbstregistration auf einer Motocrossstrecke erlebt. Draußen wirst du durch ein Schild darauf hingewiesen das du bei nicht ordentlicher Registration mit einer Strafe von 100 Kronen rechnen musst, das sind ganze 13 Euro Strafe. Für das Geld darfst du bei uns noch nicht mal das Fahrerlager betreten.
Allgemein hat man dort das Gefühl das die Vereine zur Weihnachtsfeier keinen Kaviar und Champus brauchen, das teuerste was wir mal auf einer Strecke zahlen mussten waren ganze 30 Kronen = 4,-Euro!!!
Die Strecke in Aulum ist schön zu fahren ,sehr lang, einige Meter Höhenunterschied gilt es auf seinen Runden zu überwinden und ein paar Tables sorgen für ausreichend Air-Time.
Auf jeder Strecke fragten wir im Fahrerlager nach neuen Empfehlungen für interessante Strecken und ein Name tauchte immer wieder auf –Erslev .
Was uns besonders an dieser Empfehlung reizte war die Tatsache das dort für dänische Verhältnisse wohl endlich auch mal fester Boden vorliegen soll.
Richtig erstaunt und überrascht waren wir als wir die Strecke in Erslev (www.mmck.dk)aufsuchten. Hut ab, alle Achtung so einen Track muss man lange suchen. Mitten in einem Tal gelegen geht es nur hoch und runter haufenweise Sprünge und ein Vereinsheim was man ohne weiteres auch mit einem schicken Ferienhaus vergleichen könnte. Ein Hauch von Teutschentahl gemischt mit Asti wenn auch nicht ganz so technisch. Die komplette Strecke ist einsehbar und mit ansprechenden Sprüngen versehen. Hammer Auf- und Abfahrten auf denen du alle Gänge im Getriebe mal wieder ausprobieren kannst um dann oben im letzten Gang (das ist der mit Flugrost und Spinnengewebe) schön smooth über die Kuppel zu segeln. Wirklich eine schöne und lohnenswerte Strecke und der Boden ist wirklich mal härter ,kein Beton mit schwarzen Abrieb aber wesentlich fester als das bisher in Dänemark erlebte.
Als wir ankamen war noch kein Trainingsbetrieb und auf der Strecke standen lauter riesen Rindviecher .Nein , Nein keine Funktionäre vom ADAC ,richtige Tiere. Die Viecher standen unter anderem mitten auf einem Table und grasten den Rand ab. Das ganze Panorama erinnerte doch stark an einen Almauftrieb ,fehlte nur noch das der Ziegen-Peter übern StepUp kommt und nach der Heidi fragt. Ne halbe Stunde vor Trainingsbeginn kam dann der Ziegen-Peter wirklich und trieb die Rinder von der Strecke , diese wiederum meinten aber ihre Losung auf den Table lassen zu müssen und diese Kuhfladen wiederum ,motivierten alle Fahrer so stark ,das wirklich keiner die Table zu kurz gesprungen ist auch nicht in der ersten Runde.
Weitere Motivation erhielten die Jungs durch die Anwesenheit von einem sogenannten Trainer.
Diese Trainer sind für den dänischen Motocross- Verband als Talentscouts unterwegs und suchen auf sämtlichen Strecken nach guten Fahrern für das dänische Nationenteam . Das Nationenteam ist vergleichbar mit unserem ADAC Junior Team nur im großen Rahmen und auch nicht alters beschränkt. Die Jungs werden nach der Aufnahme professionell trainiert und an die Hand genommen um sie dann später einmal an die Teams zu übergeben bzw. zu vermitteln.
Im Fahrerlager lernten wir auch Ole kennen ,Ole war nach eigenen Angaben ein guter Kumpel von Brian Jörgensen .Ja ne is klar ,genauso wie in Kalifornien jeder ein guter Kumpel von Jeremy McGrath ist ,scheint es dieses Phänomen auch hier zu geben. 10 Minuten später klingelte Oles Handy und er telefonierte recht Aufgeregt mit einen Brian ,wie sich rausstellte der echte Brian und dieser teilte ihm mit das er gerade bei Yamaha unterschrieben hat und im nächstem Jahr gleichgestellter Teampartner von Everts sein wird.
Ole erzählte uns auch noch das Brian wohl mit der Honda ganz zufrieden war aber sich im Tiscali Team nicht so richtig wohl fühlte. Zum einen weil Pichons 1000 Köpfige Familie wohl ständig in den Pits rumhingen und für Unruhe sorgten und zum anderen weil wohl dem Team Chef von Tiscali-Honda Mafiaverbindung angedichtet werden. Vielleicht haben wir es auch nur falsch vom dänglisch ins deutsche übersetzt ,vielleicht war es auch ein anderer Brian am Telefon ,vielleicht kennt Ole den Brian Jörgensen aber auch gar nicht. Aber bekanntlich lügen Dänen nicht.
Wie dem auch sei, nach Trainingsschluß wurden die Viecher wieder auf die Strecke getrieben und Ole zeichnete uns noch flott eine nahe liegende Freeridingarea in unsere Karte ein die wir am nächsten Tag aufsuchen wollten.
Der Spielplatz liegt bei Sandby ,keine 100Meter vom Skibsted Fjord entfernt ,erinnerte uns dieses Gelände ein wenig an Beaumont, nur halt in der mini Ausgabe. Genauso wie der Eifelturm im Legoland eine gewisse Bewunderung erfährt ,so besteht zwar zum Original ein großer Unterschied aber dennoch ist es sehr Interessant.
Leider war an dem Tage kein heimischer Fahrer vor Ort und trotz dem Versprächen von Ole ,das es niemanden stören würde wenn man sich hier austobt, hatten wir nicht die traute unsere Bikes auszuladen um eventuelle Rennen mit der Polizei bzw. der dortigen Landbevölkerung auszutragen. Feiglinge!
Jetzt mal Budder bei die Fische , Dänemark ist unserer Meinung nach kein Ersatz für Italien oder SoCal obwohl die Streckendichte hier wirklich überraschte.
Eine interessante Ergänzung ist es aber alle mal und für Fahrer mit einem gewissen Sandfetisch ist dieses Land sogar eine gute Alternative zu dem bisher angesteuerten ,besonders die auffallende Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der dänischen MX Kollegen macht Lust auf mehr.
Für Familieninhaber mit MX-Virus ist dieses kleine Land aber unbedingt bei der nächsten Urlaubsplanung zu berücksichtigen .Neben den auf fast jeder Strecke vorhandenen mini Tracks ,ist gerade die ständige Strandnähe und die vielen Freizeitmöglichkeiten ein Garant dafür, das sich auch der nicht crossende Nachwuchs inkl. Frau nicht unnötig langweilen muss.
Wir haben in dieser einen Woche leider nur 5 Strecken antesten können und jede einzelne hat uns Spaß gemacht ,die eine mehr die andere weniger ,aber nicht einmal mussten wir Scheiße schreien weil der vorgefundene Track unter aller Kanone war ,das obwohl wir in der wärmsten Sommerphase dort waren und Sandstrecken sich in aller Regel mit langer Trockenheit nicht so gut vertragen.
See You next Time
Halfpro
Jens-Uwe und Holger
Weitere Infos:
Streckenliste Dänemark: www.motorsport-n-t.de
Info Links auf: www.mmck.dk
Kartenübersicht: www.halfpro.com
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