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Geschlechterkampf

Geschlechterkampf

Der Crosser an sich hat in seinem Lebensraum eigentlich nur zwei natürlich Feinde. Zum einen sind da die radikalen Umweltschützer ,die permanent versuchen den Lebensraum des Dreckyunkies zu zerstören und zum anderen der weitaus schlimmere und hinterhältigere Feind:

Frauen, -besser gesagt crossende Frauen, und die Steigerung davon: schnelle crossende Frauen.

Sind wir doch ehrlich, sind wir echten Crosser nicht alle schon mal schweißgebadet aufgewacht weil in deinem Traum ,bei irgendeinem Clublauf in der mitte des Rennens auf einmal irgendeine  Jessica, Stefanie oder Alex an deinem Rearfender kratzte. Der Moment wo der Gegner vor dir völlig uninteressant wird, die Platzierung dir völlig schnuppe wird und deine Arme zickzack knüppelhart werden und sich wie Gerüststeifen am Lenker festkrallen. Bloß nicht die Zippe vorbei lassen, was denken die Kumpels am Streckenrand ,wochenlang den spott meiner Freundin ertragen, he das ist doch eigentlich ein Männersport ,warum gerade ich ,egal wie ich muss sie hinter mir halten. Gegebenenfalls unauffällig den Bezinhahn schließen und im absoluten Notfall ,wild Kopfschüttelnd einen Defekt vortäuschen.

Das über Jahre aufgebaute Selbstvertrauen und die Selbstsicherheit ,um nicht zu sagen das eigentliche Weltbild an sich fällt oder steht mit dem Ausgang der letzten Runden. Selbst wenn du das erste mal in deinem Leben als zweiter ins Ziel kommst ist dies nichts Wert ,weil neben dir ein Mädchen auf der mittleren Treppe steht ,wie doof sieht das denn aus. Bestimmt keins von den Siegerfotos das man sich in die Werkstatt hängt .

Puh ,glücklicher Weise war es nur ein Traum und zumindest für mich ist diese grausame Egozerstümmlung noch nicht zur traurigen Realität geworden. Schuld sind aber irgendwie diese Medien die da von Mädels schreiben die sich in „unserem“ Sport einen Platz geschaffen haben, mehr noch ,die schaffen das was unsere Geschlechtskollegen noch nicht mal ansatzweise schafften, da ist die Rede von zahlenden Sponsoren ,von „die fährt für Kawasaki und nimmt an der US Meisterschaft teil“, als wenn das nicht schon genug wäre, dann kommen da auch noch ordentliche Platzierung raus .

Alles Überbewertet? Gewissermaßen fahre ich ja auch für Suzuki, jedenfalls stehts so auf meinem Bike, ich kriege auch 10% bei meinem Händler wenn ich sein kreativ gestaltetes Raceshirt trage.

Das hat er mir sogar zum Sonderpreis gegeben und ohne Berechnung noch zwei bunte Aufkleber dazu gelegt. Also Gewissermaßen, irgendwie bin ich dann auch...

Aber was heißt es denn nun wirklich wenn es da heißt „die fährt für Kawasaki USA“ ,was bedeutet „schnell“ bei den Frauen, was muss „Man“ sich unter „erfolgreicher Teilnahme „ vorstellen?

Lange Rede kurzer Sinn, das männliche Ego schrie ja gerade zu nach Antworten und Gewissheit ,deshalb haben wir uns mit Alex Haupt in Verbindung gesetzt. Wir verabredeten uns für das erste Nov. Wochenende in SoCal auf dem Perris Raceway.

Alex musste ohnehin in die Staaten da sie ihr neues Bike von Kawasaki bekam und in Texas an der WMA Cup at Cycle Ranch MX Park teilnehmen musste („bekam“und„musste“da war es wieder).

Unser einer war zu dem Zeitpunkt ohnehin mit einer 8 Mann Halfpro-Gruppentherapie in Kalifornien unterwegs und hatten so auch gleich die nötigen Probanten für einen Leistungsvergleich am Start.

Wir hatten einfach alles am Start,vom blutigen MX Anfänger über erfahrende Enduro und MX Hobby Fahrer bis zum MX Pokal-Hai. Dazu kommt noch das Perris ohne Zweifel keine Strecke fürn Püppigeburtstag ist, ein echter Maintrack,mit Doubles,Trippels,StepUps und Waschbrett.

Wäre ja wohl gelacht wenn wir hier unser Weltbild nicht wieder gerade richten könnten.

Was soll ich großartig um den heißen Brei reden ,wir haben viel gelacht und ein MX-Weltbild im ursprünglichen Sinne gibt’s auch nicht mehr für uns.

Schon in dem Moment als wir mit offnen Mund die Strecke inspizierten und an einem Tribbel die #99 stylisch an uns vorbeiflog ,war klar das wir die ersten 4 bis 5 Probanten gar nicht erst in den Geschlechterkampf schicken brauchten, es wäre unfair ,den Jungs gegenüber letztendlich hatten sie für diesen Trip bezahlt und bei keinem konnten wir eine SadoMaso Ader feststellen.

Also schickten wir erst einmal Nr.6 und 7 ins Rennen ,Mittelfeld/Vorderesdrittel NordCup Niveau .Und??

Wieder nichts, ich glaub Alex hat noch nicht mal gemerkt das sich zwei Fahrer versucht haben bei ihr ranzuhängen, jedenfalls brach der Sichtkontakt für unsere Jungs immer schon nach wenigen Kurven ab. Was die männliche Ehre anging entwickelte sich das ganze so langsam zum Desaster. TüTü-Mirco und Mud-Peter waren eigentlich nicht schlecht, sind alles gesprungen ,Kurvengeschwindigkeit war Ok ,warum verdammt noch mal konnten sie nicht dran bleiben? Hallooo!-wir reden hier von einem Mädchen ,schlappe 18 Jahre jung ,sollte etwa das „schnell“ bei den Frauen gleichzusetzen sein mit dem „schnell“ bei uns? Unvorstellbar!

Budder bei die Fische, es wurde Zeit für unseren JOKER . Carsten Hartfiel, fünfter der Sachsen-Anhalt Meisterschaft , das er’s kann hat er uns die Tage vorher in Lake Elsinore und Starwest schon bewiesen. Er oder keiner, Sekt oder Selters, Camper oder Zelt....

Gerade das letztere hat ihn wohl übermäßig stark motivieren können. Zugegeben es war ein knappes Höschen, aber das Ding war nun endlich in trocknen Tüchern. Nach Rundenlangen Zweikämpfen konnte Carsten endlich vorbeiziehen und bevor sich dieser ersehnte Moment noch als einfache Konzentrationschwäche von Alex herausstellte ,brachen wir den Geschlechterkampf mit einem 7:1 Unentschieden ab.

Da ja noch einige quälende Fragen offen waren viel unsere interne Siegesfeier in den Pits dem entsprechend kurz aus.Carsten bekam sein wohlverdientes ISOGetränk und wurde gleich für die nächste Saison als HP Fahrer verpflichtet Wir anderen sieben Luschen steinigten und peitschten uns gegenseitig.

An Alexs Transporter angekommen die nächste Überraschung, statt mit Barbies zu spielen oder in ihrem Alter wahrscheinlicher, sich den Lidstrich nachzuziehen , da fängt die doch tatsächlich an an ihrer Kawa rumzuschrauben. Selbst die „Buchmitsiebensiegel“ Schräubchen wie Druck , Zugstufe und die Lehrlaufgemischschraube drehte sie so Zielstrebig in die eine oder andere Richtung das einem wirklich der Verdacht aufkam das sie weiß was sie da tut.

Mein männlicher Stolz hämmerte mir aber ein das sie sich das beim Kollegen nebenan abgeschaut hat und sich einfach die Stellen gemerkt hat in denen dieser Schraubenzieher reinpasst, nur um uns zu provozieren .

Im Gespräch klärte sie mich dann darüber auf das sie sich diese Stellen am original Ex-Ivan Tedesco-Bike eigentlich nicht merken bräuchte da sie normalerweise kleine Kawa-Händchen gestellt bekommt die diese Arbeiten für sie verrichten . Genauso wie sie von Kawasaki USA das Bike ,die Flüge ,den Transporter ,Hotels und den Support an der Strecke gestellt bekommt.Auch die anderen bunten Aufkleber hatten einen anderen Grund als nur die Optik aufzufrischen.

Ganz nebenbei fließen die eingefahrenen Preisgelder in ihre eigene Tasche .Echte Preisgelder ,nicht etwa ne Dose Kettenspray für`n zweiten oder ein MotoX Abo für`n ersten Platz , wenn’s gut läuft sind nach einem Race-Weekend schon mal 10.000,-US$ aufs Konto zu schaffen. In diesem Gespräch schwand meine Körpergröße um mindestens 30 cm, jedenfalls hat ich das Gefühl aufzuschauen obwohl Alex mindestens ein Kopf kleiner ist. Diese relativ kurze und junge Frau hat`s geschafft , was wir nie schaffen werden ,hat sich bewiesen und durchgesetzt , ist mit 16 Jahren die ersten Rennen in den USA gefahren. Sie hat die Jungs von Kawa überzeugt nicht weil sie weiblich ist und fahren kann ,das trifft auf 100% der WMA Teilnehmerinen zu, sie hat überzeugt weil sie schnell ist ,richtig schnell und zwar das „echte Männer schnell“.

Ich bin das erste mal mit 32 drüben MX gefahren, einfach nur Training und kein Rennen ,war aber aufgeregt wie Bolle als ich das erste mal mit(gegen) US Guys auf den anspruchsvollen Tracks unterwegs war.

10.000km vom Gewohnten entfernt, in einem MX Land wo das Wort „fast“ auch wirklich „fast“ bedeutet und deine Trainingspartner mit Doubles,Trippels und Whoops um können.

Aber wie muss man /frau sich fühlen ,wenn man  mit gerade mal 16 Jahren das erste mal am Startgatter auf Beton steht und auch ernsthafte Ambitionen hat wirklich vor den anderen 40 Teilnehmern die 25Minuten zu beenden.

Alex : - RESPEKT!!!!

Wer immer noch glaubt das dieses Thema überbewertet wird kann sich gerne mit uns in Verbindung setzen und wir besorgen ihm einen Startplatz für ein freies Rennen in SoCal.

Die meisten von uns würden weinen.

 

Ob Männlein oder Weiblein ist mir jetzt egal ,wer mit dem Bike so umgehen kann und auch nicht den Vergleich mit den Amis scheut verdient unsere höchste Anerkennung .

Die Gewissheit das Frauen nicht einparken und niemals im stehen pinkeln können muss mir in Zukunft einfach reichen um mein Weltbild im einklang zu halten.

 

Euer

Halfpro Team

 

 

Infos WMA :

www.womensmotocrossassociation.com

Infos über freie Rennen in SoCal:

www.halfpro.com

 

 

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